Retrievability
Wie wahrscheinlich ist es, dass du dieses Wort jetzt noch weißt? Diese Zahl sinkt mit jedem Tag seit der letzten Wiederholung.
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Ein Wort, das man einmal richtig hatte, ist noch nicht gelernt. Ob es nach drei Monaten noch da ist, hängt vor allem davon ab, wann man es zwischendurch wiedersieht.
Zeitlich gestaffelte Wiederholung zeigt jedes Wort genau dann wieder, wenn man es fast vergessen hätte. Der Abruf kurz vor dem Vergessen festigt am stärksten, deshalb wachsen die Abstände: erst Minuten, dann Tage, dann Monate. FSRS berechnet diesen Zeitpunkt aus dem eigenen Antwortverhalten statt aus einer festen Formel.
Das Prinzip
Hermann Ebbinghaus hat 1885 beschrieben, was seitdem hundertfach bestätigt wurde: Nach dem Lernen fällt die Behaltensleistung zuerst steil ab und dann immer flacher. Interessanter als die Kurve selbst ist, was mit ihr passiert, wenn man an der richtigen Stelle eingreift.
Ein Abruf kurz vor dem Vergessen festigt am stärksten. Wer eine Vokabel abfragt, während sie noch mühelos da ist, lernt fast nichts — die Karte kostet Zeit und bringt kaum Haltbarkeit. Wer sie abfragt, wenn sie gerade eben noch erreichbar ist, verlängert das Intervall deutlich. Zu spät ist auch schlecht: Dann ist es kein Abruf mehr, sondern Neulernen.
Daraus ergibt sich die Aufgabe eines Wiederholungssystems: für jedes einzelne Wort den Tag zu schätzen, an dem es kippt, und es an diesem Tag zu zeigen. Früher abzufragen kostet Zeit, später heißt neu lernen.
Zum Anschauen
Jede Wiederholung setzt das Behalten zurück auf hundert Prozent — und der nächste Abfall verläuft flacher als der davor. Genau deshalb darf der nächste Termin jedes Mal weiter weg liegen.
Der Algorithmus
SM-2 stammt von 1987 und rechnet mit einem Faktor je Karte. FSRS ist ein Modell aus drei Größen, das aus Millionen echter Wiederholungen trainiert wurde.
Wie wahrscheinlich ist es, dass du dieses Wort jetzt noch weißt? Diese Zahl sinkt mit jedem Tag seit der letzten Wiederholung.
Wie lange hält dieses Wort? Wächst mit jedem erfolgreichen Abruf — und zwar umso stärker, je knapper der Abruf war.
Wie schwer fällt dir dieses Wort? Ein Wort, das du dreimal vergessen hast, bekommt kürzere Abstände als eines, das sofort saß.
Der praktische Unterschied: SM-2 behandelt alle Karten mit gleicher Historie gleich und multipliziert das Intervall mit einem festen Faktor. FSRS schätzt für jede Karte einzeln, wann die Behaltenswahrscheinlichkeit unter deine Zielmarke fällt, und setzt den Termin dorthin. Bei gleicher Behaltensleistung führt das zu spürbar weniger Wiederholungen pro Tag — und weniger Wiederholungen pro Tag machen es leichter, dranzubleiben.
Die Bewertung
Viele benutzen „Schwer" als Strafe für sich selbst. So ist der Knopf nicht gemeint.
| Bewertung | Wann | Wirkung auf das Intervall |
|---|---|---|
| Nochmal | Du wusstest es nicht. | Das Intervall bricht zusammen, die Karte kommt in derselben Sitzung wieder. |
| Schwer | Du wusstest es — aber es hat gedauert. | Das Intervall wächst, nur langsamer. Kein Fehler. |
| Gut | Du wusstest es in normaler Zeit. | Das Intervall wächst wie vorgesehen. Der Normalfall. |
| Einfach | Sofort da, ohne Nachdenken. | Das Intervall springt deutlich weiter. Sparsam benutzen. |
Ehrlich bewerten ist wichtiger als gut abschneiden. Ein System, dem man vorlügt, plant falsch — und die Rechnung kommt drei Wochen später als Berg fälliger Karten.
Kontext
あげる heißt „geben". Damit kann man nichts anfangen. Der Satz 友だちに本をあげました („Ich habe einem Freund ein Buch gegeben") beantwortet dagegen vier Fragen auf einmal: welche Partikel das Wort verlangt, wie es konjugiert wird, in welcher Höflichkeitsstufe es steht und in welcher Situation man es benutzt.
Bei japanischen Verben ist das kein Feinschliff, sondern Voraussetzung. のる („einsteigen") steht mit に, nicht mit を — man steigt in etwas ein. すき („mögen") verlangt が, obwohl es im Deutschen ein Objekt hat. Wer das Wort isoliert lernt, lernt es halb und muss denselben Eintrag später ein zweites Mal lernen.
Dazu kommt eine Regel, die im Deutschen keine Entsprechung hat: Beispielsätze dürfen keine Zeichen enthalten, die man noch nicht kennt. Ein Satz mit drei ungelernten Kanji ist keine Übung mehr. In KOTOBA ist das eine Build-Bedingung — die Inhalte lassen sich gar nicht veröffentlichen, wenn ein Satz ein Zeichen benutzt, das erst später drankommt.
Die Dosis
Am ersten Sonntag ist die Begeisterung groß und man lernt achtzig neue Wörter. Das fühlt sich nach Fortschritt an, wird aber drei Wochen später fällig: Jedes neue Wort erzeugt über die kommenden Monate rund acht bis zehn Wiederholungen. Achtzig Wörter an einem Tag heißen mehrere hundert Karten in einer einzigen späteren Woche.
Deshalb wird neues Material dosiert freigeschaltet — Standard sind zehn neue Einträge pro Tag, einstellbar. Wiederholungen werden dabei nie gedrosselt: Das Budget hält neues Material zurück, niemals eine fällige Karte. Sonst würde ausgerechnet der Rückstand wachsen, den es verhindern soll.
Zehn am Tag klingen nach wenig. Es sind 3.600 im Jahr — mehr, als JLPT N4 verlangt, und mehr, als die meisten Kurse in derselben Zeit schaffen. Für die Kanji in diesen Wörtern gilt dieselbe Dosierung, nur nach einer anderen Reihenfolge: erst das Radikal, dann das Zeichen.
Häufige Fragen
Zeitlich gestaffelte Wiederholung: Jede Vokabel wird genau dann wieder gezeigt, wenn man sie fast vergessen hätte. Der Abruf kurz vor dem Vergessen festigt am stärksten, deshalb wachsen die Abstände nach jedem Erfolg — erst Minuten, dann Tage, dann Wochen und Monate. Zu frühes Abfragen kostet Zeit ohne Nutzen, zu spätes ist Neulernen statt Wiederholung.
SM-2 stammt von 1987 und multipliziert das Intervall mit einem Faktor pro Karte. FSRS modelliert drei Größen — Retrievability, Stability und Difficulty — und wurde aus Millionen echter Wiederholungen trainiert. Es schätzt für jede Karte einzeln, wann die Behaltenswahrscheinlichkeit unter die Zielmarke fällt. Bei gleicher Behaltensleistung ergeben sich dadurch spürbar weniger Wiederholungen pro Tag.
Nach JLPT-Stufen: rund 800 Wörter für N5, 1.500 für N4, 3.700 für N3, 6.000 für N2 und über 10.000 für N1. Für einen Shōnen-Manga mit Furigana reichen etwa 1.000 Wörter. Bei zehn neuen Einträgen am Tag sind das 3.600 im Jahr — N4 ist damit im ersten Jahr erreichbar.
Zehn bis fünfzehn für die meisten Lernenden. Jeder neue Eintrag erzeugt über die folgenden Monate rund acht bis zehn Wiederholungen — wer an einem Tag achtzig neue Wörter anfängt, hat drei Wochen später mehrere hundert fällige Karten und hört auf. Die Zahl konstant zu halten ist wichtiger, als sie hoch zu setzen.
Im Satz. Bei japanischen Verben ist der Kontext keine Zugabe, sondern nötig: のる („einsteigen") verlangt die Partikel に, nicht を, und すき („mögen") verlangt が, obwohl es im Deutschen ein Objekt hat. Ein isoliert gelerntes Wort ist halb gelernt und muss später ein zweites Mal gelernt werden.
„Schwer" heißt: Du wusstest es, es hat nur gedauert. Das Intervall wächst weiter, nur langsamer. Es ist kein Fehlschlag — nur „Nochmal" ist einer. Wer „Schwer" als Strafe benutzt und stattdessen „Gut" drückt, gibt dem System falsche Daten, und die Rechnung kommt später als Berg fälliger Karten.
Das sind 3.600 im Jahr — mehr als JLPT N4 verlangt. Die Wiederholung plant KOTOBA, du musst nur auftauchen.
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